DNA Strang im Fläschchen
Jede 8. Frau erkrankt heute an Brustkrebs. Bei 5-10% der Brustkrebs­erkrankungen liegen erbliche Belastungen vor. Daher ist es wichtig, erbliche Krebs­erkrankungen frühzeitig zu erkennen um gezielte Früherkennungs­programme anzubieten und damit auch die Heilungs­chancen deutlich erhöhen zu können.

Was sind PARP-Inhibitoren?

PARP-Inhibitoren zählen zur Familie der zielgerichteten Behandlung­smethoden. Der Name steht für eine Gruppe von Medikamenten, welche die Wirkung des Enzyms Poly-ADP Ribose Polymerase (PARP) hemmen. Sie wurden für eine Reihe von Erkrankungen entwickelt, aber das wichtigste Einsatz­gebiet dieser Medikamente ist die Behandlung von bestimmten Krebs­erkrankungen. PARP-Inhibitoren blockieren einen normalerweise in menschlichen Zellen kaum bedeutsamen „alternativen Reparatur­mechanismus“ von „Schreibfehlern“ in der genetischen Information. Auch im Leben einer gesunden Zelle treten immer wieder Schreibfehler auf. Gesunde Zellen bedienen sich in diesem Fall eines sehr wirksamen und genauen Reparatur­mechanismus, der „Homologe Rekombination“ genannt wird.

Leider kann unter bestimmten Bedingungen – z.B. wenn ein BRCA-Gendefekt vorliegt – der Reparatur­mechanismus der Homologen Rekombination (HR) ausfallen. Dieser „Nachteil“ wird in Krebszellen zum „Vorteil“ genutzt: PARP-Inhibitoren hemmen den verbleibenden „alternativen Reparatur­mechanismus“, und die Krebszelle geht zugrunde. Dieses Wirkprinzip wird „synthetische Letalität“ genannt. PARP-Inhibitoren wirken daher besonders gut bei jenen Krebs­patientinnen, bei denen eine BRCA-Mutation vorliegt. Aus diesem Grund ist eine Vorbedingung für den besonders wirksamen Einsatz von PARP-Inhibitoren auch der Nachweis einer BRCA-Genveränderung.

Einsatz von PARP-Inhibitoren

PARP-Inhibitoren greifen in einen Krankheitsmechanismus ein, der bei Eierstock­krebs­patientinnen mit einer BRCA-Gen­veränderung eine Schlüsselrolle spielt. Bei Tumoren, in denen der Reparatur­mechanismus der Homologen Rekombination nicht gestört ist, wirken PARP-Inhibitoren meist auch schlechter. Eine Verabreichung des Medikaments würde in einem solchen Fall möglicherweise dazu führen, dass die betroffene Patientin zwar an Nebenwirkungen leidet, aber nur einen limitierten Nutzen, möglicherweise gar keinen Nutzen, von der Behandlung hat. Daher sind PARP-Inhibitoren von der Arzneimittel­behörde nur in einem bestimmten Krankheits­stadium und nur bei bestimmten Fällen zugelassen. Sie werden insbesondere dann eingesetzt, wenn ein Eierstock­krebs, der zunächst erfolgreich mit einer platin-basierten Chemotherapie behandelt worden ist, nun wieder auftritt. Ebenso werden PARP-Inhibitoren eingesetzt, wenn es zu einem Wieder­auftreten einer Brustkrebs­erkrankung gekommen ist (metastasiertes Stadium), und das auch nur bei Vorliegen einer BRCA-Mutation.